Toxoplasmose
©opyright Dr. von Rhein

Toxoplasmose, eine häufige Infektion bei zwei-und mehrbeinigen Säugetieren, wird durch einenen Einzeller namens Toxoplasma gondii ausgelöst. Diese Protozoen gehören zu den ursprünglichsten aller Lebewesen. Infektionen mit Toxoplasma sind häufig, meist aber ohne Krankheitssymptome.

Entwicklungsstadien
Katzen sind die Endwirte, in denen der Parasit die Fortpflanzungsreife erreicht. Menschen und andere Säugetiere dienen nur als Zwischenwirte.
Die Katze infiziert sich durch Verzehr ungekochter Mäuse oder Vögel. Der Parasit vermehrt sich zuerst in den Darmzellen der Katze. Er produziert massenhaft sogenannte Oozysten, die der Wirt 2 bis 3 Wochen lang ausscheidet. Dies erfolgt nur während der akuten Infektion, kaum jedoch nach der akuten Phase oder bei Reinfektion. Die Zysten reifen ausserhalb der Katze in 5 Tagen zur infektionsfähigen Form heran. Nach der Reife bleiben Sie im feuchten Boden noch monatelang ansteckend.
Die plazentare Ansteckung im Mutterleib kommt bei Schaf, Ziege und Mensch vor, kaum jedoch bei der Katze.
Einige der Parasiten dringen in tieferliegende Darmzellen der Katze oder der Zwischenwirte ein und verwandeln sich in sogenannte Tachyzoiten. Diese breiten sich in verschiedene Organe aus und werden schliesslich vom wirtseigenen Abwehrsystem zur Verkapselung, meist im Muskel oder Hirn, gezwungen. Diese Ruheform bleibt normal bis zum Lebensende des Wirtes inaktiv.

Symptome
Die meisten Toxoplasmosen der Katze verlaufen symptomlos. Mögliche Frühsymptome sind Apathie, Appetitlosigkeit und Fieber. Später können Pneumonie, Hepatitis, Pankreatitis, Augen- (nicht Bindehaut-) entzündung und Hirnentzündung auftreten. Die Symptome sind dann: Atemnot, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Gelbsucht, Lymphknotenvergrösserung, ungleiche Pupillen, Lichtempfindlichkeit, Blindheit, Koordinationsstörungen, Berührungsempfindlichkeit, Persönlichkeitsänderungen, Ohrenzucken, Kau- und Schluckbeschwerden, Krämpfe, Stubenunreinheit.

Diagnose
Die Kotuntersuchung gibt Aufschluss ob momentan Oozysten ausgeschieden werden. Aufgrund der Zyklizität der Ausscheidung ist eine 3malige Untersuchung im Abstand von 14 Tagen sinnvoll. Bei Erregernachweis ist dringend anzuraten, den Patienten für 3 Wochen ausser Haus zu geben. Bei negativer Kotprobe ist die Blutuntersuchung sinnvoll, die uns sagt ob die Katze schon Kontakt mit dem Erreger hatte und dann jetzt wahrscheinlich immun ist. Negativ getestete Freigänger mit jagdlichen Ambitionen können sich natürlich jederzeit über ihre Beute infizieren und bis zu 3 Wochen Oozysten ausscheiden. Negativ getestete Wohnungskatzen die ausschliesslich mit Fertigfutter ernährt werden, sind weder gefährdet noch potentielle Überträger.

Behandlung
Es gibt verschiedene Antibiotika, die aktive Toxoplasmen in den verschiedenen Wirtsspezies erfolgreich angreifen.

Toxoplasmose des Menschen
Schätzungen behaupten, dass 30-50 Prozent der Weltpopulation verkapselte Toxoplasmen in sich tragen. Durch immunschwächende Vorgänge, zB Kortisoneinnahme oder HIV, können die Ruheformen aktiviert werden.
1) In Entwicklungsländern spielt der Kontakt zu verseuchter Erde die grösste Rolle, in Industrieländern der Verzehr halbgarer oder roher Fleischspeisen, speziell Lamm und Schwein. Ca. 10% Lammfleisches und 25% des Schweinefleisches enthalten Oozysten (Zahlen für USA). Auch rohe Milch, zB Ziegenmilch kann zystenhaltig sein.
2) An zweiter Stelle steht die Ansteckung über rohes Gemüse und Kräuter, die in verseuchter Erde gewachsen sind.
3) Weit abgeschlagen und von mehr theoretischer als praktischer Bedeutung sind Katzentoiletten. Händewaschen nach deren Reinigung ist trotzdem nicht übertrieben. Da die Oozysten nach Ausscheidung durch eine Katze noch 5 Tage zur Reifung brauchen, ist die direkte Ansteckung durch eine Katze, die sich pflegt, praktisch unmöglich.
Die Ansteckung des Fötus über die Plazenta ist eine grosse Sorge jeder werdenden Mutter. Bei Ansteckung der Mutter während der Schwangerschaft werden auch ca. 30-50% der Föten befallen. Im ersten Drittel der Schwangerschaft sind fötale Infektionen selten aber am folgenreichsten (bis zum Abort), im letzten Drittel am häufigsten und harmlosesten. Die meisten Mütter, die ihre Föten infizieren, zeigen selbst keine Krankheitszeichen.
In den USA werden jährlich etwa 3000 Babys schon in der Mutter infiziert. Symptome können direkt nach der Geburt, viele Jahre später oder, meist, nie auftreten. Augen- und ZNS-Störungen, Taubheit, Fieber, Gelbsucht, Hautausschläge, Atemwegserkrankungen und Herzkrankheiten sind die häufigsten Formen.

Vorbeugung
Bis jetzt gibt es keine Impfstoffe zum Schutz des Endwirtes und der Zwischenwirte, zB. des Menschen.
Die ansteckungsfähigen Zysten werden nur durch intensives Garen (Kerntemperatur 70 Grad C 15 min lang) neutralisiert. Einfrieren, pökeln oder räuchern sind nicht zuverlässig wirksam. Weder Mensch noch Katze sollten rohes oder halbrohes Fleisch essen. Nicht ganz einfach bei Aussenkatzen mit einer Vorliebe für frisches Mäusetartar.
Katzentoiletten und Gartenerde sind prinzipiell als infektiös zu betrachten. Deshalb Katzenklo täglich reinigen und danach sowie nach jeder Gartenarbeit Händewaschen.

Schwangere
sollten etwas aufwendigere Massnahmen zum Schutz ihres Ungeborenen ergreifen.
1) Rohmilch und -produkte sowie Roh- oder Halbrohfleisch aus der Ernährung streichen. Das gleiche gilt für rohes Gemüse und Obst wegen des möglichen Kontaktes mit verseuchter Erde. Das verbietet zB Salat, frische Kräuter und die meiste Sorten Rohkost in der Schwangerenernährung. Geschältes Obst ist ok. Beim Kochen jeden direkten und indirekten Kontakt mit Rohfleisch und Rohgemüse vermeiden. Dazu gehören natürlich auch die Schneidbretter und Messer. Was heisst das praktisch? Beim Kochen gute medizinische Gummihandschuhe und danach Händewaschen.
2) Test der Katzen.
3) Test der werdenden Mutter. Laut Cornell University früh, am besten vor der Schwangerschaft. Nach diesem Rat scheiden Zufallsbekanntschaften als Wunschväter dann wohl leider aus. Testet die Mutter schon vor der Schwangerschaft positiv, ist das Risiko einer Übertragung auf den Fötus gering. Ist sie negativ, besteht das Risiko einer Erstinfektion während der Schwangerschaft mit Ansteckung des Föten.
4) In der Katzenernährung Rohmilch und -produkte sowie Roh- oder Halbrohfleisch vermeiden. Falls machbar bei negativ getesteten Katzen den Freigang streichen. Aus dem Schlafzimmer konsequent aussperren.
5) Die Reinigung der Katzentoilette delegieren, um jedes Restrisiko auszuschliessen. Täglich saubermachen lassen.
6) Kontakt zu Fremdkatzen vermeiden.
7) Gartenarbeit komplett aussetzen. Gartenerde ist immer potenziell infektiös.

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